Liebe in der Stadt - Un amore in città (Episode: "Heiratsagentur")

Jahr: 
1953
Film: 
Schwarz-weiß
Länge: 
16 min
Produktion: 
Faro Film
Vertrieb: 
D.C.N.
Altersfreigabe: 
15341
13/11/1953

Die anderen Episoden des Films sind: Bezahlte Liebe (L’amore che si paga) von Carlo Lizzani, Paradies für 4 Stunden (Paradiso per quattro ore) von Dino Risi, Selbstmordversuch (Tentato suicidio) von Michelangelo Antonioni, Die Geschichte von Catarina (Storia di Caterina) von Francesco Maselli und Cesare Zavattini, Die Italiener drehen sich um (Gli italiani si voltano) von Alberto Lattuada.
 
Einem jungen Journalisten wird eine Reportage über Heiratsagenturen anvertraut. Skeptisch täuscht er vor, ein Kunde zu sein, der für einen reichen Kunden eine Frau sucht. Obwohl er erzählt, dieser sei an Epilepsie erkrankt und gezwungen auf dem Land zu leben, weil er sich in den Nächten mit Vollmond in einen Wehrwolf verwandle, gelingt es ihm eine junge Frau zu finden, sie zur Heirat bereit ist. Ein liebes, naives Mädchen, das den Zynismus des Hauptdarstellers ins Wanken bringt.

Crew

Regie: Federico Fellini
Idee: Federico Fellini
Drehbuch: Federico Fellini, Tullio Pinelli
Bildregie: Gianni Di Venanzo
Musik: Mario Nascimbene

Cast

Antonio Cifariello : Giornalista
Livia Venturini : Rossana
Ilario Maraschini : proprietario dell'agenzia
Angela Pierro : direttrice dell'agenzia

Peculiarites

Während Maselli und Zavattini die unmögliche Rekonstruktion einer wahren Gegebenheit versuchen und die anderen Filmer sich für einen Beitrag in Form eines Dokumentarfilms entscheiden, wählt Fellini den Schlüssel der „gestellt wahren“ Geschichte. Der aus Rimini stammende Fellini hat nie die Theorien von Zavattini zur Kino-Wahrheit geteilt und ist überzeugt, das man alles erfinden muss. Einigen Bezeugungen zufolge führt Federico eine Nachforschung die der Heiratagentur Omega durch, wo er mit dem Schriftzeichen C. L. 35 vorstellig wird. Anderen zufolge erzählt er Zavattini eine Lügengeschicht, damit dieser zufrieden ist, oder um sich hinter dessen Rücken über den brennenden Theoretiker des Neorealismus zu amüsieren. Am wahrscheinlichsten ist, dass nicht in der Episode Agenzia matrimoniale, geschrieben von Pinelli, dem “wahren Leben entnommen ist”, im Sinne von Zavattini, angefangen bei den beiden Hauptdarstellern, die zwei junge Berufsschauspieler sind. Antonio Cifariello (in einem inexistenten Spiel der Wahrheit leiht er der Figur des Journalisten seinen Vornamen und Nachnamen) hat schon in einigen Filmen mitgespielt und steht am Anfang einer guten Schauspielerkarriere, die ihn neben die populären Gesichter des „rosafarbenen Neorealismus“ stellen wird [...]. Das Mädchen Rossana ist von Livia Venturini interpretiert, Schauspielerin und Synchronsprecherin, die man in der Rolle der Nonne in Das Lied der Sraße und in ein paar anderen Filmen wieder sehen wird.
(Tullio Kezich, Fellini, Milano, Camunia, 1987, pp. 210-211)

Reviews

Giulio Cesare Castello
Von den beiden „Kurzgeschichten“ ist jene von Federico Fellini, Agenzia matrimoniale, am besten gelungen: aufgeweckt, geistreich am Anfang wird die Stimmung nach und nach pathetisch, in der Darstellung dieses unbeholfenen Landmädchens, das bereit ist einen Wehrwolf zu heiraten um nur „unter die Haube zu kommen“. Der Fall will dass zusammenfassen, was sich an Bitterkeit und Armut hinter dem Schild „Heiratsagentur“ verbirgt. Und dies gelingt ihm in gewisser Weise, dank des Schliffs des Regisseurs, seiner Gabe die Umwelt und die Psychologie zu beobachten; es gelingt ihm mit einer eindringlicheren und weniger farbigen Inspiration als jene, die George Cukor im ausschweifenderen und unter gewissen Gesichtspunkten analogen „The Modell and the Marriage Broker“ zur Schau trägt.
(“Cinema” [nuova serie], a. VI, n. 123, 15 dicembre 1953)